Insel Krk

Reisebericht

Gabi G.

Treffpunkt war im Institut Frauensache um 5 h Früh (!). Es waren insgesamt 9 Frauen aus unterschiedlichen Alters- und Berufsgruppen in 4 Autos unterwegs, Nach einigem Umpacken konnte es gegen 6 Uhr dann endlich losgehen. Die Fahrt gestaltete sich ohne Zwischenfälle mit Ausnahme eines Staus in Slowenien, der uns aber nicht die allgemein gute und erwartungsvolle Stimmung verderben konnte. Am Nachmittag gegen 3 erreichten wir endlich unser Ziel, einen Vorort von Baska. Rasch wurden die Zimmer bezogen, das Nötigste ausgepackt und umgepackt und schon waren wir wieder unterwegs, um eine kleine Wanderung in den nahegelegenen Bergen zu unternehmen. Nach kurzem Anstieg erreichten wir eine Felsterrasse mit einem herrlichen Ausblick auf das Dorf, das Meer und auf die umliegenden Inseln. Wir sangen ein paar Lieder in der Abendsonne und hielten eine Gesprächsrunde über die Befindlichkeit und über die Erwartungen, die wir an diese Reise hatten, ab. Die Frauen berichteten über ihre momentane Situation, über die Stimmung, die sie mitbrachten und was sie erleben oder lernen wollten. Ein Aspekt, der allen wohl wichtig war, war, sich in einer Gruppe zurechtzufinden und sich auf andere einzulassen. Ein anderer Aspekt, der ganz sicher nicht an letzter Stelle kam, war , einfach Spaß zu haben in der Gruppe. Wir ließen den langen Tag in einem gemeinsamen Essen in einem der stimmungsvollen Restaurants ausklingen. Am nächsten Tag ging es schon um 5 Uhr früh los, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Wir fuhren mit den Autos zum Fuß eines Hügels, den wir gemeinsam im frischen Morgenwind bestiegen, um dieses Naturschauspiel mitzuerleben, die Insel zu unseren Füßen und außer uns gab es nur jede Menge Schafe, die sich da an dem herrlich duftendem wild wachsenden Salbei labten. Zwei Frauen aus unserer Gruppe (eine davon war ich), wurden in einen Steinkreis geführt, der sich am Gipfel des Hügels befand und wir wurden von Andrea angewiesen, eine rituelle Haltung einzunehmen, bis die Sonne aufgegangen war. Die restlichen Gruppenmitglieder verteilten sich auf einer Wiese knapp unterhalb des Gipfels und feierten ebenfalls ein Begrüßungsritual, indem sie die Arme der aufgehenden Sonne entgegenstreckten und dabei mit den Füßen auf der Stelle traten, wobei die Arme mit der Sonne hochgehalten werden sollten und auch die Bewegungen der Beine mit steigender Sonne immer höher werden sollten. Es war ein sehr bewegendes Erlebnis, an diesem besonderen Platz die Sonne zu begrüßen und wir spürten ein starkes Gefühl der Verbundenheit. Wieder zurück im Quartier gab es endlich Frühstück und wir rüsteten uns für die nächste Exkursion in die Berge mit reichlich Sonnenschutzcreme und Wasser aus Wir bestiegen wieder einen der Berge (Andrea allein weiß, welchen), was angesichts der schon recht beachtlichen Temperaturen relativ anstrengend war. Wir erreichten ein Plateau und fanden inmitten dieser Steinwüste, die nur von einigen unverwüstlichen Gräsern bewachsen war, einen von einer Steinmauer umrandeten Platz, der wie ein Garten auf mich wirkte, mit blühenden Akazien und von Gras bewachsen. Auch dieser Platz beherbergte, wie fast jeder auf dieser Insel, einige Schafe. Dort hielten wir eine gemeinsame Rast. Dann wurden jeder von uns von Andrea ein Platz zugewiesen und eine Aufgabe, über die wir nachdenken sollten., passend zur persönlichen Geschichte. Ich sollte mir über die unendliche Liebe der Natur Gedanken machen, weil für mich zu diesem Zeitpunkt Liebe annehmen zu können ein Thema war. Eine Teilnehmerin hatte die Aufgabe erhalten, über den Unterschied von Gefühl und Emotion nachzudenken. Wir erhielten einen Zeitrahmen von ca. 2 Stunden. Ich muß gestehen, ich bin vor Erschöpfung kurz eingeschlafen. Als ich munter wurde, standen die Schafe vor mir und betrachteten mich neugierig. Anschließend wurde in der Gruppe reflektiert, welche Gedanken wir in dieser Zeit hatten und zu welchen Ergebnissen wir gekommen waren. Eine andere Teilnehmerin erhielt später die Gelegenheit, zu lernen, sich fallen lassen zu können und Vertrauen in andere Menschen zu gewinnen. Sie durfte in der Gruppe bestimmen, welche Aktionen sie brauchen würde, um das zu empfinden. Sie wünschte sich, mit dem Kopf nach unten von einem Ast zu hängen und dabei von den anderen gesichert zu werden. Schließlich wurde ihr wieder vom Baum heruntergeholfen und sie durfte eine Weile das Gefühl auskosten, sich in den Armen der Anderen fallen zu lassen. Wir haben auch über Interaktionen von Gruppenteilnehmerinnen gesprochen und reflektiert, welche Gefühle das bei den anderen Frauen ausgelöst hat. Schließlich machten wir uns nach ca. 6-stündigem Aufenthalt an diesem wunderbaren Ort wieder auf den Heimweg und jede von uns hatte das Gefühl, daß sehr viel passiert war und daß sich sehr viel bewegt hat an diesem Nachmittag. Am Samstag zogen wir nach einem ausgiebigen Frühstück wieder los, vom Strand aus gings wieder bergauf, diesmal in bewußt langsamen Tempo. Wir sollten das Tempo unserer Schritte an die Atemfrequenz anpassen. Zwei von uns erhielten wieder eine Aufgabe, die sie im Gehen erfüllen sollten und es wurde ihnen außerdem Schweigepflicht auferlegt. Ich war eine den Zweien und ich muß sagen, daß es mir angenehm war, mich voll auf meine Aufgabe konzentrieren zu können Durch das langsame Gehen konnte ich aber auch sehr viel von der herrlichen Umgebung wahrzunehmen. Es wurde mir bewußt, daß der Weg auch das Ziel sein kann und ich genoß es, Bäume, Pflanzen, Insekten und Vögel zu beobachten, Temperatur wahrzunehmen, den eigenen Körper zu spüren und den intensiven Geruch der Nadelbäume zu riechen. So erreichten wir wieder ein Plateau, das von vielen Steinmauern durchzogen war, wieder machten wir schließlich Rast an einem schattigen Platz, diesmal in einem Kiefernwäldchen. Nach einer kurzen Gesprächsrunde ging es weiter und wir kamen an einen steilen Abhang über einer wunderschönen Bucht, die man nur mit dem Boot oder eben zu Fuß erreichen konnte. Ein schmaler Weg führte in Serpentinen hinunter und wir mußten jeden Schritt aufmerksam und sicher setzen. Schließlich gelangten wir nach langer Wanderung in das kleine Restaurant in der Bucht, wo uns schon zwei Teilnehmerinnen erwarteten, die die lange Wanderung nicht mitmachen wollten. Wie wir von ihnen erfuhren, waren die Einheimischen sehr erstaunt und zeigten ihre Bewunderung, daß es noch dazu eine Gruppe von Frauen auf sich genommen hat, einen solchen Weg zu wählen. Es war ein wichtiger Aspekt dieser Wanderung, Anstrengungen und körperliche Entbehrung auf sich zu nehmen und damit ein Stück Selbstvertrauen zu gewinnen, den eigenen Willen zu spüren, eigene Grenzen zu überschreiten, Spannungen zu lösen und nicht zuletzt auch eine mentale Reduktion auf das Wesentliche zu erleben. Wir hatten dann Gelegenheit, uns im frischen Meer abzukühlen und von dem köstlichen Käse, der dort in der Umgebung hergestellt wird, zu essen. Schließlich erschien unser Motorschlauchboottaxi pünktlich und brachte uns wieder zurück nach Baska. Wir beschlossen, den halben Sonntag noch für eine Exkursion zu einer unbewohnten Insel zu nutzen. Wie verabredet trafen wir unseren Motorboottaxifahrer im Hafen und er setzte uns in 2 Fahrten über zu der Insel. Der Wellengang war relativ rauh an diesem Tag und das Boot hüpfte mehr als es fuhr . Man mußte sich schon gut festhalten und es war ein Spaß für uns alle.Auf der Insel wanderten wir wieder ein Stück dem Meeresufer entlang, bis wir zu einer kleinen Bucht kamen, wo wir ins Wasser gehen konnten. Es gab eine Schafherde und eine verlassene Unterkunft für Schafe, die auf mich allerdings wenig appetitlich wirkte . Wir bauten uns ein Sonnendach aus den mitgebrachten Strandtüchern, jeder mußte ein Schuhband liefern und so gelang es uns, uns selbst in dieser unwirtlichen Landschaft gemütlich einzurichten. Wir nutzten die Zeit für eine Konfrontation, da am Vortag ein Konflikt zwischen zwei Teilnehmerinnen entstanden war, den die Beiden im Beisein der Gruppe und unter Andreas Leitung lösen wollten., was auch gelang und was für beide Teilnehmerinnen persönliche Erkenntnisse brachte. Schließlich hielten wir eine abschließende Gesprächsrunde mit Reflexionen über die gemeinsame Zeit ab. Was die Teilnehmerinnen mit nach Hause nehmen konnten, war, sich in einer Gruppe geborgen zu fühlen, gegenseitigen Respekt zu üben, die eigene Persönlichkeit und das eigen Verhalten in der Gruppe zu erleben, manche Hintergründe für Handlungen zu erkennen, seinen Platz in der Gruppe zu finden, Fähigkeiten zu entdecken, Verständnis zu haben für Handlungen und Gefühle Anderer, über seine Grenzen hinauszugehen, Solidarität und Verbundenheit zu erleben, Respekt vor der Natur zu haben, sich zu besinnen, das Wesentliche zu sehen und nicht zuletzt einfach wunderschöne Tage und viel gemeinsames Lachen und viel Spaß.. Zum Schluß gingen wir noch ein letztes Mal ins Meer schwimmen, sehr vorsichtig allerdings, denn es gab jede, Menge Seeigel. Zurück gings wieder mit dem Schlauchboottaxi, packen, noch die Wasserflaschen an einer Quelle füllen und ab Richtung nach Hause. Wir beschlossen noch spontan, bei einem Restaurant Halt zu machen, das an einer schönen Bucht lag, und so konnten wir gemeinsam diese sehr anstrengenden, aber auch sehr schönen und erkenntnisreichen Tage ausklingen lassen. Die Heimfahrt gestaltete sich komplikationslos und wir erreichten Wien gegen 2 Uhr morgens leicht erschöpft, aber guter Dinge und voller Dankbarkeit für Andreas Engagement, diese Reise so wundervoll vorzubereiten (sie ist alle Strecken vorher abgegangen),zu leiten und zu begleiten.