Schottland

Pure.Dead.Brilliant
SCHOTTLAND

Reisebericht von Melanie Weinberger

Freitag, 20. Juli: Wir (7 Frauen in 2 Autos) machen uns auf die Reise ins grüne Schottland. Eine kleine Unachtsamkeit bringt uns irrtümlich an den ungarischen Grenzübergang Nickelsdorf,  durch ein geschicktes Manöver erreichen wir jedoch rechtzeitig den Check-In am Flughafen in Bratislava. Wider Erwarten müssen wir uns vor dem Besteigen des Flugzeugs sogar noch in einer Menschenschlange einreihen. Im verregneten London, Stansted, angekommen, überbrücken wir die Wartezeit auf den Anschlussflug nach Glasgow. Beim Betreten schottischen Bodens sticht er mir dann sogleich ins Auge: In pinker Schrift auf violettem Untergrund prangt der Slogan des Flughafens vor meinen Augen: „Pure.Dead.Brilliant.“ Ich finde den Slogan von Anfang an sympathisch. Hinsichtlich der Bedeutung bin ich noch etwas im Zweifel. Die Verwendung des Wortes „Dead“ im Zusammenhang mit einem Flughafen scheint mir sehr gewagt zu sein. Nach kurzer Zugfahrt erreichen wir Glasgow Zentrum. Die Räumlichkeiten unserer Jugendherberge dort sind äußerst knapp bemessen. Die Waschgelegenheiten sind – den Spuren nach zu urteilen – von Gästen sehr häufig, vom Reinigungspersonal eher seltener frequentiert. Nach einem Besuch in einem interessanten indischen Restaurant geniesse ich die nächtliche frische Brise Glasgows. Im Pub nebenan klärt uns ein nettes schottisches Pärchen darüber auf, dass die Worte „Pure.Dead.Brilliant.“ soviel wie oberaffengeil, extrem super bedeuten. Wir lassen daraufhin den Slogan in den folgenden Tagen immer wieder unermüdlich in unsere Konversationen einfließen. Zurück in der Jugendherberge hieve ich mich vorsichtig in das Obergeschoss des aus statischer Sicht sehr abenteuerlichen Stockbettes. Ich träume meinen ersten Traum auf schottischem Boden. Der nächste Tag beschenkt mich mit einer wunderschönen Zugfahrt von Glasgow nach Fort William, das weiter im Norden von Schottland liegt. Der Zug bahnt sich seinen kurvigen Weg durch eine pflanzenreiche Hügellandschaft. Für lange Strecken sind die Zugschienen der einzige Hinweis darauf, dass schon Menschen vor uns in dieser atemberaubend schönen weiten Landschaft gewesen sind. Eine angenehme Ruhe macht sich in mir breit. Einige Stunden später in Fort William angekommen, besteigen wir den Autobus nach Kinlochleven. Die rasante Fahrweise des Buslenkers auf der meinem Gefühl nach „falschen“ Straßenseite ist beeindruckend, die Landschaft noch viel mehr. Im kleinen Ort Kinlochleven finden wir sie gleich: die Blackwater Hostel, die sich sofort als geniale Unterkunft für die kommenden Tage herausstellt. Nachdem wir die Zimmer bezogen haben, machen wir einen Spaziergang zu einem Ort etwas abseits der Herberge und nehmen uns Zeit, um anzukommen und alles, was uns ab diesem Zeitpunkt hinderlich sein könnte, abzulegen und an diesem Ort zu lassen.
           
In den darauffolgenden Tagen gehen wir weite Strecken zu Fuß, teilweise in strömendem Regen, teilweise gewärmt vom Licht der Sonne und immer begleitet von den überall präsenten Gewässern Schottlands. Wir setzen uns auf unterschiedliche Weisen mit dem Thema Träumen auseinander. Wir lernen Möglichkeiten kennen, unser Leben nach unseren eigenen Vorstellungen zu erträumen und zu spüren, dass jede einzelne von uns die Gestalterin ihres Lebens ist. Wir treten mit den Elementen und den uns umgebenden Energien in Kontakt. Es ist für mich eine Zeit der Auseinandersetzung mit alten und neuen Seiten an mir. Ich lerne meine Kraft besser kennen und neue Formen, sie einzusetzen.
           
Von dieser Reise komme ich bereichert zurück. Bereichert durch neue Perspektiven auf mein Leben, die sich durch die Arbeit und die Erfahrungen auf dieser Reise aufgetan haben. Bereichert durch die Gespräche mit den Frauen, die mich auf dieser Reise begleitet haben. Bereichert durch die Eindrücke der atemberaubenden Landschaft und Stimmung Schottlands. Und bestärkt in dem Gefühl, auf meinem ureigenen Weg zu sein. Das gemeinsame Arbeiten, das Lachen, die exquisiten Karamellkekse und die täglichen Sandwiches; die Gipfel, die wir erklommen haben, das Quatschen des moorigen Bodens unter meinen Füßen, die frische Morgenluft, der Wind, der uns oft begleitet hat und nicht zuletzt das rollende R der SchottInnen (Hi girrrls!) – es gibt so viele Eindrücke, die ich nicht missen möchte und die mich seither begleiten. Obwohl die zehn Tage für mich wie im Flug vergangen sind, kommt es mir jetzt vor, als hätte ich eine lange Zeit an diesem Ort verbracht. Immer wieder tauchen Situationen auf, die ich während der Zeit erlebt habe und die mich zum Nachdenken bringen, die mir Kraft geben oder mich zum Schmunzeln bringen. Abschließend bleibt – für den Fall, dass es jetzt noch nicht alle bemerkt haben – nur noch eines festzuhalten:
„Scotland is pure dead brilliant!“